Immer die alte Leier....

Seit langer Zeit schon wollte ich mir in Ellwangen im Alamannenmuseum eine alamannische Leier bauen. Aber entweder hatte ich kein Geld für den Kurs übrig oder aber ich hatte das Geld und der Kurs war wegen zu wenig Teilnehmern ausgefallen.

Aber im November 2007 war es dann endlich soweit. Georg Däges war so superlieb und machte den Kurs, obwohl wir nur zwei Teilnehmer waren. Und so konnte ich mein Geburtstagsgeld endlich in diesen Kurs investieren und es hat sich so richtig gelohnt!

Georg hatte einige Muster dabei. Die waren in der Form wie die Leier im Alamannenmuseum aus Oberflacht. Allerdings haben wir jetzt kein Eichenholz ausgehöhlt, also keinen archäologisch richtigen Nachbau gemacht. Klar. Das wäre jetzt mit unseren Mitteln nicht so einfach an nem Wochenende gegangen. Und das wollte ich jetzt auch nicht wirklich. Die Leier soll ja nachher so richtig spielbar sein für uns. Auf meine Leier kamen dann später auch Stahlsaiten und keine Darmsaiten, wie sie vielleicht früher verwendet worden sind. Ich liebe einfach den hellen klaren Klang dieser Stahlsaiten.
Also erst mal hieß es sägen, sägen, sägen... und das alles von Hand. Das war sehr ungewohnt für mich und ich musste das erst mal lernen. Aber es klappte dann ganz gut.

Georgs Bauplan sah eigentlich eine gerade rechteckige Leier vor, oben und unten abgerundet. So wie der Nachbau Oberflacht im Museum. Allerdings hat uns der Leierfund aus Trossingen sehr inspiriert und so wollten wir eine von der Form her ähnliche Leier bauen. Oben etwas breiter als unten und mit diesem geschwungenen Teil oben. Aus Eschenholz sägten und fertigten wir so erst mal ein Gerüst für das Instrument.

Darauf leimten wir dann eine Ahornplatte, die erst mal so richtig fixiert wurde. Und dann mussten wir wieder sägen und feilen und schleifen.

Zum Glück gibt es in der Werkstatt vom Alamannenmuseum auch elektrische Geräte und so ging das mit dem groben Schleifen an dem Bandschleifgerät ganz flott. War aber trotzdem noch wirklich viel Nacharbeit von Hand nötig. Man fragt sich während so einem Kurs schon immer wieder, wie toll unsere Vorfahren doch die Holzbearbeitung beherrschten so ganz ohne Maschinen und Strom. Echt wahnsinn. Heute könnten wir kaum noch 1 mm dünne Holzplatten herstellen, ohne elektrische Maschinen.

Am zweiten Kurstag war dann der Korpus endlich fertig. Den Steg für die Saiten habe ich aus Eichenholz gefertigt.

Dann musste die Leier noch schön eingeölt werden. (Foto links)

Georg hat dann die Löcher für die Saitenwirbel gebohrt.

Georg hilft beim Saitenaufziehen. Ich muss den Georg Däges echt mal so richtig loben. Er war ein prima Kursdozent und hatte sehr viel Geduld mit uns zwei Frauen. Das war wirklich ein tolles Wochenende und hat super viel Spaß gemacht. Jetzt muss ich nur noch spielen lernen. So toll wie der Georg werde ich das wohl nie hinbekommen. Aber ich arbeite daran. Georg hat ein paar kleine Notenhefte zum Spielen auf der Sechssaitigen Leier gemacht und es ist echt irre toll, was für zauberhafte Musik man mit diesen nur sechs Noten machen kann.

Ich habe dann noch einen kleinen Film gemacht, wie Georg auf meiner neuen Leier spielt. Traumhaft! Jetzt hoffe ich, daß ihr alle das Filmchen ansehen könnt und somit hören könnt, was für eine tolle Musik mit so einem Instrument möglich ist....

Oder schaut das Video bei YouTube.com an.

Wer selber auch mal so ein schönes Musikinstrument bauen möchte, dem kann ich den Baukurs im Alamannenmuseum echt empfehlen. Es gibt dort gleich uns Eck auch eine sehr günstige Übernachtungsmöglichkeit, die übers Museum gebucht werden kann. Der Kurs lohnt sich wirklich.
Infos für weitere Kurse findet ihr unter www.alamannenmuseum-ellwangen.de